Zukunft der Golfstromzirkulation – Fakten und Hintergründe aus der Forschung

Vorstellung der Broschüre des KDM und des Deutschen Klima-Konsortiums mit einem Pressegespräch in Berlin

Bei einem Pressegespräch in Berlin am 20.07.2017 wurde die Broschüre der gemeinsamen Strategiegruppe "Ozeanzirkulation im Klima" vorgestellt. Zwei der Autoren, Prof. Mojib Latif und Prof. Monika Rhein, erklärten: In den kommenden Jahren droht kein Abbruch der Golfstromzirkulation, ein Grund zur Entwarnung ist das aber nicht.

 

Die Golfstromzirkulation wirkt wie eine Klimaanlage für Europa, sie mildert Temperaturspitzen nach unten und oben ab. Das Strömungssystem trägt elementar zum moderaten Klima Nordeuropas bei, da es warmes und relativ salziges Wasser aus den Subtropen bis in die Arktis transportiert. Eine abrupte Abkühlung, wie in Eiszeitszenarien vieler Filme und Bücher dargestellt,  befürchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jedoch nicht; ein plötzliches Ausbleiben der Golfstromzirkulation ist nach heutigem Kenntnisstand äußerst unwahrscheinlich. Für die Zukunft rechnen die Forschenden aber mit einer Abschwächung. Das klingt weniger dramatisch, hätte jedoch ebenfalls substanzielle Folgen für das Klima, die Veränderung des  Meeresspiegels sowie für die marinen Ökosysteme bis zur Versorgung mit Nahrungsmitteln aus dem Meer.

Aussagen zu langfristiger Entwicklung seit 1900 nicht möglich
Prof. Monika Rhein erklärte, es könne keine wissenschaftlich gesicherte Auskunft über einen langfristigen Abschwächungstrend seit 1900 geben, da dafür nicht ausreichend Beobachtungsdaten verfügbar seien. In den vergangenen 20 Jahren haben die Forscherinnen und Forscher den Ozean dank moderner Methoden und Technologien deutlich genauer analysieren können. Diese Zeitspanne reicht jedoch nicht, um Klimatrends abzuleiten. Rhein sagte: „Wir haben festgestellt, dass die Golfstromzirkulation in den vergangenen 20 Jahren recht stabil war und viele natürliche Schwankungen zeigte. Diese natürliche Variabilität macht es noch schwerer, den möglicherweise schon vorhandenen menschlichen Einfluss auf die Golfstromzirkulation nachzuweisen.“

Zukünftige Abschwächung der Golfstromzirkulation
Dies ist kein Grund zur Entwarnung. Wissenschaftlicher Konsens aus modellierenden Forschungsansätzen ist, dass eine deutliche Abschwächung der Golfstromzirkulation bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu erwarten ist. Wie stark diese genau sein wird, lässt sich schwer vorhersagen. Der Kieler Klimaforscher Prof. Mojib Latif sagte: „Ob und wie stark sich die Golfstromzirkulation verändern wird, hängt in erster Linie davon ab, wie sich die anthropogenen Treibhausgasemissionen entwickeln werden. Gehen wir vom sogenannten Wort-Case-Szenario des Weltklimarats IPCC aus, verringert sich die Golfstromzirkulation im Mittel über alle Modelle um etwa 30 Prozent. In diesem Szenario gehen wir von einem ungebremsten Ausstoß an Treibhausgasen aus.“ Das Schmelzen des Grönlandeises aufgrund des Klimawandels ist dabei noch nicht berücksichtigt. Latif weiter: „Eine der wichtigsten Forschungsfragen gilt dem Einfluss des grönländischen Schmelzwassers auf die Golfstromzirkulation. Es kann die Umwälzzirkulation verlangsamen, wenn es in die Regionen mit Tiefenwasserbildung – quasi die Antriebszentren der Zirkulation – gelangt.“


Die Broschüre ist hier verfügbar:
http://www.deutsche-meeresforschung.de/de/publikationen

Berichterstattung der Tagesschau: https://www.tagesschau.de/ausland/golfstrom-103.html

 


Strategiegruppe „Ozeanzirkulation und Klima“ von DKK und KDM

Der Ozean ist eine der zentralen Komponenten des Klimasystems. Veränderungen in den Meeren wirken sich vielfach auf das Klima aus. Deshalb ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der Klima- und Meeresforschung ausschlaggebend. Die gemeinsame Strategiegruppe „Ozeanzirkulation und Klima“ des Deutschen Klima-Konsortiums (DKK) und des Konsortiums Deutsche Meeresforschung (KDM) bringt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der wichtigsten deutschen Forschungseinrichtungen zusammen, die sich mit diesem Themenfeld befassen. Sie identifiziert die drängenden Fragen im Zusammenhang mit der Rolle der Ozeane beim Klimawandel und entwickelt aus der Forschung heraus die Wissensbasis für politische Entscheidungen.

Weitere Informationen hier: http://www.deutsche-meeresforschung.de/de/sg_ozean_klima